Musik

Musik kommt aus dem Hören.

Im Haus meiner Eltern lief früher immer Musik. Meine Mutter mochte Barockmusik und alte Musik, Vivaldi, Händel, Telemann und gregorianische Gesänge. Die Liebe zur klassischen Musik war ihr kein Hinderniss, sofort nach Erscheinen die ersten Schallplatten der Beatles zu besorgen, ebenso war sie begeistert von Amon Düül und besonders vom musical „Hair“.
Mein Vater liebte Beethoven, Verdi und einige Opern. Es gefiel ihm, mit großen Gesten die Bewegungen der Musik nachzuahmen und damit sein Gefühl für das Dirigententum darzubieten. Die Geräuschkulisse war stets äußerst geräuschvoll – sie war selbst eine Art Oper. Wenn keine Musik lief, wurde intensiv ferngesehen oder Radio gehört.

Die Musik der Sprache lernen wir schon sehr früh kennen: Im Mutterleib, wenn sich das Ohr zum Mithören der Klänge von ringsumher bildet. Der Körper muss schließlich wissen, in welche Klanglandschaft er diesmal hineingeboren wird. Als Kinder und Kleinkinder hören wir: Klang-ohr-ientiert. 

In den Vokalen und Konsonanten der Sprache schwingen – wie verborgen – die Obertöne: Die Obertöne sind die Musik im Stimm- und Sprachklang. Der französische HNO-Arzt Alfred Tomatis fand heraus, dass jede Sprache ein anders klingendes Obertonmuster hat.

Den tiefsten Zugang zu den Obertönen und damit einen neuen Zugang zur Musik habe ich nach einigen Jahren Schauspiel, Malerei und verschiedenen Ansätzen im Oberton-Gesang bei der „Hör-Kunst“- methode Francois Louche, die den Forschungen des HNO-Arztes Alfred Tomatis (Klangwelt Mutterleib) folgt, kennen gelernt. Die weiche Sprechweise von Marie-Pierre Labrune – mit den hohen Obertönen der französischen üüs und iis – und das bewusste Hören auf „alle Töne im Ton“ wurde die eigentliche Muttersprache für mein Musik-Empfinden.

Im stillen Raum des Lauschens fanden schließlich auch Gedichte, Melodien und Lieder zu mir. Der Raum des Reinen Hörens war der Weg zur eigenen Musik. siehe CDs